Home
Comicographie
Infos
Sonstiges
Deutsche Editionen

Wie alle frankobelgischen Klassiker hat auch Michel Vaillant in Deutschland eine wechselvolle Publikationsgeschichte hinter sich. Über die Jahrzehnte wechselten regelmäßig die Verlage, Editionen undFormate, so dass es im deutschsprachigen Raum bisher nicht zu einer einheitlichen und kompletten Vaillant-Edition gekommen ist. Der Mosaik-Verlag publiziert seit Juni 2006 jedoch zügig neue Vaillant-Alben und schließt die bestehenden Lücken. Im folgenden präsentiere ich einen kurzen Abriß über die deutsche Publikationsgeschichte von MV.

Die 60er Jahre: Michael Voss fährt für Ehapa

Die ersten Vaillant-Geschichten erschienen in Deutschland ab März 1965 im Mickvision-Magazin des Ehapa-Verlages. Dort mutierte Vaillant kurzerhand zu dem deutschstämmigen (!) Rennfahrer Michael Voss. Bis Oktober 1968 druckte Mickyvision in Fortsetzungen die ersten 16 Vaillant-Alben ab, danach folgten bis Anfang 1972 noch einige Kurzgeschichten. Bereits 1965 publizierte Ehapa den Ehapa-Sonderband 1, in dem das erste Vaillant-Abenteuer unter dem Titel "Das große Duell" in Albumform nachgedruckt wurde. Eventuell war geplant, alle Vaillant-Geschichten wie im frankobelgischen Raum zuerst in Heftform und dann als Album zu publizieren. Doch es blieb es beim Sonderband 1.

Auf ZACK: Michel Vaillant in den 70er Jahren

Im April 1972 startete im Hamburger Koralle-Verlag das legendäre ZACK-Magazin. Ab dem ersten Heft war auch Michel Vaillant dabei - mit dem damals aktuellen Abenteuer A23. Vaillant wurde schnell zum archetypischen Helden der ZACK-Ära und genoß bei den Lesern des Magazins enorme Popularität. Bis Mai 1981 wurden in den verschiedenen ZACK-Publikationen (Magazin, Box, Parade) alle aktuellen bzw. noch aktuellen Vaillant-Abenteuer publiziert (die Alben 13-38) - sowie fast alle Kurzgeschichten. Außerdem wurden die etwas älteren Alben A5, A7 und A11 abgedruckt.1979 bis 1981 arbeitete Jean Graton exklusiv für den Koralle-Verlag, der sich dann aber komplett aus dem Comic-Bereich zurückzog.

Michel Vaillant startet für Ehapa und Carlsen

Mit A39 kehrte Michel Vaillant 1981 nach neun Jahren wieder zu Ehapa zurück, wo man ihn in die gemischte Reihe der Großen Flieger- und Rennfahrercomics einsortierte. Vier Jahre lang publizierte der Verlag die aktuellen Vaillant-Abenteuer bis A45 - ohne verlegerisches Engagement und mit reißerischen Titeln wie "Rallye der tausend Tränen". Danach gab es in Deutschland vier Jahre lang keine neuen Vaillant-Alben mehr. Im März 1989 startete der Hamburger Carlsen-Verlag im Rahmen seiner Classic-Reihe eine chronologische Neu-Edition der ersten Vaillant-Abenteuer. Bis Mai 1992 gelangten so die Alben 1-13 in ansprechender Form (und mit dem charakteristischen grünen Rahmen) zum Abdruck. Eine schöne Gelegenheit, die Vaillant-Klassiker der 50er und 60er Jahre wiederzuentdecken. Die meisten waren zuletzt vor 25 Jahren in MV Comics publiziert worden. Eine Neuauflage dieser Klassiker ist nach jetzigem Kenntnisstand leider nicht geplant. Die entsprechenden Alben sind jedoch zu vernünftigen Preisen über eBay zu erwerben.

Michel Vaillant strandet bei Seven Island

Nach dem Ende der Carlsen-Classic-Edition vergingen drei Jahre, bis der deutsche Vaillant-Fan mit neuem Lesestoff versorgt wurde. Der Kleinverlag Seven Island hatte sich die Rechte an der Serie gesichert und begann ab Mitte 1995 damit, Vaillant-Material zu publizieren.

Seven Island veröffentlichte die aktuellen Alben der Reihe und schloss mit der Edition der Klassiker an die Carlsen-Classic-Edition an - chronologisch korrekt und mit verlegerischem Engagement. Jedes Album wurde durch redaktionelle Texte ergänzt und in hervorragender Qualität gedruckt. Diese Vaillant-Edition ließ keine Wünsche offen, wurde aber - mit ca. 2 Alben jährlich - nur sehr langsaam vorangetrieben. Ende 2005 liefen die Lizenzvereinbarungen von Seven Island mit Graton Editeur aus.

Neue Vaillant-Edition bei Mosaik

Der Mosaik Steinchen für Steinchen-Verlag, der auch das ZACK-Magazin herausgibt, publiziert seit Juni 2006 zügig neue Vaillant-Alben. Zunächst wurden die Bände abgedruckt, die in Deutschland noch nicht erschienen waren.

Im zweiten Step wurden die Alben neu aufgelegt, die ehemals bei Koralle erschienen sind.

Danach kamen die 62-seitigen Klassiker (Carlsen Classic, Alben 1-13) der ersten Michel-Vaillant-Ära an die Reihe.

Zeitraum
Deutsche Editionen
1965-1972
Ehapa: MV Comics-Magazin (Alben und Kurzgeschichten) + Sonderband 1
1972-1981
Koralle: ZACK-Publikationen + Michel Vaillant-Albenreihe (keine chronologisch korrekte Numerierung)
1981-1985
Ehapa: Große Flieger und Rennfahrercomics-Albenreihe (keine chronologisch korrekte Numerierung)
1989-1992
Carlsen: chronologisch korrekte Michel Vaillant-Albenreihe (Carlsen Classic)
1995-2005
Seven Island: chronologisch korrekte Michel Vaillant-Albenreihe
seit 1999
Mosaik: ZACK-Magazin (Alben und Kurzgeschichten); seit 2006 chronologisch korrekte Michel Vaillant-Albenreihe in der "ZACK Edition"

© aller Abbildungen bei Carlsen / Dargaud / Dupuis / Ehapa / Koralle / Graton Editeur / Lombard / Mosaik / Novedi / Seven Island