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Philippe Graton


Ein Comiczeichner als Vater

Philippe Graton wurde am 12.5.1961 in Uccle (Vorort von Brüssel) als dritter Sohn von Françine und Jean Graton geboren.

Während der Kindheit fand Philippe den Job seines Vaters sehr langweilig. Den ganzen Tag saß dieser in seinem Studio und zeichnete. Erst als Schulkameraden beeindruckt von der Arbeit Jean Gratons waren, merkte Philippe, dass das wohl doch etwas Besonderes war und nicht hinter solch spannenden Berufen wie etwa Feuerwehrmann zurück stand!

Bereits mit dreizehn, vierzehn Jahren half Philippe seinem Vater, indem er ihn zu den Rennen begleitete und Fotos für ihn anfertigte. Das Anfertigen von Fotodokumentationen sollte zur Berufung werden und später auch zum Beruf. Als Fotojournalist erntete Philippe Anerkennung durch Reportagen über seine Reisen durch Kambodscha, Vietnam und das ehemalige Jugoslawien. Eine Biografie über Jean-Claude van Damme war ein großer Erfolg.

Als Jean Graton sich von seinen bisherigen Verlagen trennte und 1982 entschied, seinen eigenen Verlag zu gründen, half Philippe ihm, ein Verlagsgeschäft aufzubauen.

Der Eigenverlag 'Graton Éditeur'

Einen Familienverlag zu führen erwies sich als schwieriges Unterfangen. Vater Jean kümmerte sich weiterhin um die Comics und Philippe fand sich mit nur 21 Jahren plötzlich in der Rolle des Unternehmers wieder. Er musste Vertrieb und Versand organisieren, den Geschäftsverkehr mit Druckereien regeln, und alles, ohne eine kaufmännische Vorbildung zu besitzen.

"Da ich meine eigene Arbeit fortsetzen wollte, einigten wir uns darauf, dass ich die Hälfte meiner Zeit für den Verlag verwende. Und es war wirklich die halbe Zeit, allerdings von einem ganzen Tag, d.h. ich arbeitete dafür zwölf Stunden von 24."
(Aus einem Interview mit Matthias Hofmann, ALFONZ 1/2013)

Die Schaffung der Reihe "Dossier Michel Vaillant" war eine der ersten neuen Ideen, die Philippe in das Verlagsprogramm einfließen ließ. Diese Bände, die sich jeweils einem motorsportlichen Thema widmen und die in Deutschland leider nicht erscheinen, sind eine Mischung aus Comic-Kurzgeschichten und journalistischen Beiträgen zum titelgebenden Thema.

Eine wichtige Aufgabe war es, alle Rechte wieder zurück zur Familie zu holen. In den 1990er Jahren hatte Philippe es geschafft, alle Lizenzen in den Besitz von Graton Éditeur zu bringen. Nun erst konnten Projekte, wie der Kinofilm mit Luc Besson oder eine Michel-Vaillant-Gesamtausgabe angegangen werden.

Eine weitere Angelegenheit, die dadurch möglich wurde und die Philippe Graton sehr am Herzen lag, war die Wiederveröffentlichung früher Werke seines Vaters, um sie der Vergessenheit zu entreißen und einer größeren Fangemeinde zugänglich zu machen: Die Reihe "Palmarès Inédit" (dt.: Unveröffentlichte Erfolge) wird aus der Taufe gehoben.

1993, sein Vater ist inzwischen 70 Jahre alt, beginnt Philippe, die Szenarios für Michel Vaillant zu schreiben. Geprägt durch den Beruf des Fotojournalisten kehrt Philippe den zum Schluss doch recht abgedrehten Leader-Stories den Rücken und kommt zu einem größeren Realitätsbezug zurück, der durch gut recherchierte Szenarios überzeugt.

Das Vaillant-Universum und die Realität

Auch abseits des Verlagsgeschäfts hat Philippe Graton pfiffige Ideen, die als Ergänzung und natürlich auch Werbung zum Michel-Vaillant-Universum angesehen werden können:

1997 Organisiert er eine große Überraschung zum 40-jährigen Jubiläum von Michel Vaillant:

Der Rennstall "Courage Compétition" lässt sich dazu überreden, beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans einen Sportwagen-Protoypen in Vaillante-Farben antreten zu lassen, um damit Jean Gratons Lebenswerk zu ehren.

Sichtlich gerührt sagt er: "Sie können sich vorstellen, dass ich es nie gewagt hätte, einen Konstrukteur um einen solchen Gefallen zu bitten. Und da war er nun, dieser Yves Courage,
den ich nur vom Namen her kannte, und bereitete mir diese ultimative Freude."

Fast hätte der Vaillante mit der Startnummer 13 es sogar aufs Podium geschafft. Nach einem ereignisreichen Rennen kam er als Vierter ins Ziel!


1999 ruft Philippe eine Rennserie ins Leben, für die extra ein spezieller Sportwagen entwickelt wird:
Der Vaillante Grand Défi - Ein realer Vaillante Rennwagen!!

2003 laufen dann 16 Exemplare in einer eigenen Rennserie, der "3com Stars Challenge", bei der Profi-RennfahrerInnen wie Vanina Ickx, Luc Alphand und Sebastian Loeb mitfahren und zusätzlich Prominente als Beifahrer chauffieren. Auch Philippe Graton lässt es sich nicht nehmen, in einen Vaillante Grand Défi zu steigen.

- Der Film

2003 ist auch das Jahr, in dem Michel Vaillant auf die große Kinoleinwand kommt! Das Thema das Films ist - wie sollte es anders sein! - Die 24 Stunden von Le Mans. Das Rennen, das nicht nur bei Michel Vaillant, sondern auch innerhalb der Familie Graton den größten Stellenwert bei den Autorennen einnimmt. Um größtmöglichen Realismus zu erzielen, wurden die Rennszenen tatsächlich während des echten 24-Stunden-Rennens 2002 gedreht.

Es wurden nicht nur ernst gemeinte Vaillant und Leader Rennwagen eingesetzt, sie mussten sich auch wirklich qualifizieren, sonst hätten sie nicht am Rennen teilnehmen dürfen! Eine Riesenkulisse wurde erzeugt, indem man Tausende Zuschauer auf der Haupttribüne mit Michel Vaillant Fanartikeln ausstattete. Auf Kommando wurden dann von Abertausenden von Fans Vaillante-Fähnchen und -Schals geschwenkt, Schilder hochgehalten und aus vollem Halse gejubelt.

Dieses große Unterfangen wurde nicht nur von Philippe in die Wege geleitet, er wirkte als "Michel Vaillant Berater" und war am Schreiben des Drehbuchs beteiligt.

Sicherung des Vaillant-Erbes

2008 startet man nach mehrjähriger Vorarbeit und Recherche mit einer groß angelegten Gesamtausgabe "L'Integrale". Ein solches Unterfangen wäre für den Kleinverlag Graton Èditeur nicht zu stemmen gewesen, deshalb entsteht das Werk in Kooperation mit dem Großverlag Le Lombard. Die Reihe umfässt 20 Hardcover-Bände und alle Michel Vaillant Comics in chronologischer Reihenfolge. Endlich wird das Œvre des großen alten Meisters der Renn-Comics in angemessener Weise gewürdigt.

Um Jean Gratons Gesamtwerk für die Zukunft zu schützen, gründete Philippe 2009 die Stiftung "Fondation Jean Graton". Sie archiviert alle Veröffentlichungen, Originalzeichnungen, Fotodokumentationen, Erinnerungsstücke, damit diese nicht verloren gehen können und jederzeit für Recherchen zur Verfügung stehen. Darüberhinaus soll die Fondation dafür sorgen, dass die Marke "Michel Vaillant" bekannt bleibt, indem sie z.B. Ausstellungen organisiert.

Schon länger wurde Philippe Graton bewusst, dass das umfangreiche Verlagsgeschäft innerhalb der Familie nicht mehr zu bewältigen war. Das Tagesgeschäft nahm so viel Raum ein, dass für Weiterentwicklungen, wie sie ihm vorschwebten, keine Zeit übrig blieb. So suchte er einen kompetenten Verlag, der den Michel Vaillant-Kosmos nicht nur bewahren sollte, sondern auch offen für Weiterentwicklungen und Veränderungen sein musste. Diesen neuen Partner fand er im Verlagshaus Dupuis, wo Michel Vaillant seit dem 1.1.2010 erscheint.

Michel Vaillant - Nouvelle Saison

Nachdem durch die Übergabe an Dupuis wieder Ressourcen frei geworden waren, konnte Philippe sich endlich an die Fortführung der Vaillant-Saga machen. Viele Ideen, wie z.B. eine neue Motorradserie, wurden wieder verworfen. Philippe wollte etwas Neues schaffen, nicht einfach mit Band 71 weitermachen. Ihm wurde klar, dass er mit dem bestehenden Zeichnerteam keinen echten Neuanfang hinbekommen würde. Er löste das Studio Graton auf und machte sich auf die Suche nach einem neuen Team. In dem Szenaristen Denis Lapière, den Zeichnern Marc Bourgne (Charaktere) und Benjamin Bénéteau (Fahrzeuge und Hintergründe) fand er die geeigneten Leute mit denen er die sogenannte 2. Saison von Michel Vaillant starten konnte. Am 16. November 2012 erschien das erste Album der Nouvelle Saison "Au nom du fils" (dt.: Im Namen des Sohnes).


Von diesem rührigen "Macher" können wir sicher noch Einiges erwarten!

© aller Abbildungen bei Carlsen / Dargaud / Dupuis / Ehapa / Koralle / Graton Editeur / Lombard / Mosaik / Novedi / Seven Island